Schulen erhalten Quellenhefte zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte 1945-1990

Bergisch Gladbach, 20.01.2015

VR Bank überreicht Quellenhefte an Schulen: Dr. Albert Eßer (1. v.l., Leiter des Stadtarchivs), Markus Fischer (5 v.l., Marketingleiter VR Bank eG Bergisch Gladbach), Karina Glowania (5. v.r., Geschichtslehrerin Otto-Hahn-Gymnasium) mit Schülerinnen und Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums

Bergisch Gladbach. Die Klassensätze der vom Stadtarchiv Bergisch Gladbach im Dezember herausgegebenen Quellenhefte zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte 1945-1990 wurden mit Unterstützung der Bensberger Bank eG, der VR Bank eG Bergisch Gladbach und der Raiffeisenbank Kürten-Odenthal eG am Freitag (16.01.2015) an zwölf weiterführende Schulen aus Bergisch Gladbach und Kürten übergeben.

In einem Geschichtskurs des Otto-Hahn-Gymnasiums sind die Archivquellen bereits im Unterricht verwendet worden. Bei der Übergabe berichteten die Schülerinnen und Schüler des OHG von ihrer Beschäftigung mit den Zeugnissen lokaler Geschichte von 1945 bis 1990. Im Fokus der vier Vorträge stand die Situation nach Kriegende. Die 17- und 18-Jährigen analysierten beispielsweise die Entlassung des Bürgermeisters von Bergisch Gladbach im Mai 1945. Auch die Art und Weise, wie die Mitglieder der ersten Bensberger Gemeindevertretung bestellt wurden, wurde betrachtet. Der Bürgermeister hatte die Aufgabe, die Personen für die Bürgervertretung zu benennen. Eine Wahl war nicht vorgesehen. Und dennoch – so der Schluss der Gymnasiasten – war es ein Beispiel für die Demokratisierung 1945. Eine Diskussion örtlicher Sozialdemokraten über das Verhältnis zu Kommunisten aus dem Jahre 1947 wurde ebenso untersucht wie das Grußwort des Landrates zu einem der ersten Presseerzeugnisse, den „Amtlichen Nachrichten des Rheinisch-Bergischen Kreises“. Typisch sei, so stellten die Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs Q 2 fest, dass eine Aufarbeitung der NS-Zeit damals in der Regel nicht stattfand.

Positive Resonanz
Als Vertreter der Volksbanken waren die beiden Marketingleiter Christian Walter (Bensberger Bank eG) und Markus Fischer (VR Bank Bergisch Gladbach eG) bei der Übergabe zugegen. „Wir freuen uns, dass mit dieser anschaulichen Darstellung der Stadtgeschichte die Schülerinnen und Schüler ganz konkret Geschichte der Heimatstadt kennenlernen können“, erklärte Christian Walter. Markus Fischer ergänzte: „Man selbst hat zu Schulzeiten nur die Ereignisse der großen Politik untersucht, es ist spannend zu lesen, wie ganz konkret sich beispielsweise die Zeit unter alliierter Verwaltung in Bensberg und Bergisch Gladbach ausgewirkt hat.“ Oberstudienrätin Karina Glowania, die Lehrerin des Geschichtskurses, erläuterte, dass die Präsentationen in drei Schulstunden erarbeitet wurden. Für sie war die Kombination aus Nachkriegsgeschichte und lokaler Anbindung ebenfalls ein spannendes Arbeitsfeld.

Vielfältige Themen
Die in den Archivquellen behandelten Themen beziehen sich nicht nur auf lokalhistorische Besonderheiten wie Keppels Büdchen, die Straßenbahnlinie G oder den Bensberger Märchenzug, sondern greifen auch den Widerhall allgemeinhistorischer Entwicklungen in Bergisch Gladbach und Bensberg auf. Ebenso findet sich in dem Buch die Stellungnahme des „Bensberger Kreises“ zum Vietnamkrieg oder eine Schülerdemonstration gegen den sowjetischen Truppeneinmarsch in der Tschechoslowakei 1968. Dokumente zur Feier des 17. Juni in Bergisch Gladbach und zu Besuchen von DDR-Bürgern nach dem Mauerfall spiegeln die Geschichte der deutschen Teilung und deren Überwindung 1989 wider.

Für den Unterricht konzipiert
Viele dieser Themen eignen sich – so bewiesen die Gymnasiasten sehr anschaulich - auch für den Einsatz im Geschichtsunterricht. Bei der Konzeption des Quellenheftes sind die Vorgaben der Lehrpläne mitbeachtet worden. Lehramtsstudierende der Universität in Köln haben sich im Sommersemester 2014 mit den schulischen Verwendungsmöglichkeiten der Bergisch Gladbacher Archivquellen beschäftigt. Als Hilfestellung für den Einsatz im Unterricht ist für den Herbst dieses Jahres eine Lehrerfortbildung geplant.

Die insgesamt vier lokalgeschichtlichen Quellenhefte des Stadtarchivs, die den Zeitraum von 1815 bis 1990 abdecken, können gleichzeitig aber auch von allen historisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern als spannende Lesebücher zur Bergisch Gladbach Stadtgeschichte gelesen werden. Sie sind zum Preis von jeweils 12 Euro im Stadtarchiv und im örtlichen Buchhandel erhältlich.

Erhältlich ist das Buch zum Preis von 12,00 Euro im Stadtarchiv an der Hauptstraße 310 und im örtlichen Buchhandel.


Bibliographische Angaben: Albert Eßer, Christoph Pallaske und Lothar Speer (Hrsg.): „Mit Gott und gestrafften Muskeln.“ Quellen zur Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte 1945-1990 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Bergisch Gladbach, Band 15), Bergisch Gladbach: Stadtarchiv 2014, ISBN 978-3-9813488-2-8, 24 x 16 cm, 147 Seiten, 12,00 Euro